NTRAK – Ein nicht alltäglicher Modulstandard

Anfang der siebziger Jahre hatten die N-Bahner in den USA mit einem Problem zu kämpfen: Bei öffentlichen Ausstellungen und Clubabenden wollte man vorbildgerecht lange Züge fahren lassen, aber der typische amerikanische Güterzug braucht auch in N sehr viel Platz und recht große Radien. Die Heimanlagen, die groß genug waren, diese Züge zu beherbergen waren natürlich nicht transportabel. Daher entstand in dieser Zeit der NTRAK – Modulstandard mit seiner dreigleisigen Streckenführung.  

Die Breite eines einzelnen Moduls ist ein Mehrfaches von 2’ ( 61 cm ), wobei die 4’-Module aus Transport- und Gestaltungsgründen am beliebtesten sind. Festgelegt ist ferner der Gleisabstand der 3 Hauptgleise, deren Höhe über dem Boden sowie die dazugehörige sehr massive Elektrik. Auch gibt es Standards für Eck- und Übergangsmodule – aber das ist schon so ziemlich alles. Es gibt keine festen Abschlussprofile, Gleispläne oder Gestaltungsvorschriften – weder bei Modulthema, Landschaft oder Gleisschotter. Dies unterscheidet NTRAK von fast allen anderen Modulnormen.

Empfehlungen gibt es nur für die Wahl des Gleismaterials und Bautipps für den Rahmenaufbau des Moduls. Somit lässt der Standard dem Modulbauer ( fast ) alle Freiheiten. Natürlich kann es hierbei passieren, dass die Schneelandschaft von Alaska des Modulbauers A rechts an die Wüste des B und links an die Rocky Mountains von C grenzt – aber was das Auge des konservativen Modulbauers stören mag, ist für das Publikum eine höchst willkommene Abwechslung.  

Selbstverständlich können Vereine oder eine Gruppe von Modulbauern ein festes Landschafts-Abschlussprofil, Streumaterial und/oder Gleisschotter für ihre Vereinsmodule festschreiben, um ein homogenes Erscheinungsbild zu erreichen.  

In früheren Zeiten haftete NTRAK der Makel der „flachen Tischmodule“ an – aber die Fantasien von Hunderten von Bastlern haben die Zweifler inzwischen etwas Besseren belehrt. Berge & Schluchten sind technisch genauso möglich wie Hafenanlagen oder ausgedehnte Städte und Industriegebiete.

Aufgrund der vollständigen elektrischen Trennung der 3 Gleise ist auch ein gemischter Analog-/ Digitalbetrieb kein Thema. Die Streckenfahrer fühlen sich mit langen Zügen auf den vorderen 2 „Mainlines“ (Hauptlinien) pudelwohl und die Rangierer verschieben ihre Wagen auf den Stich- und Industriegleisen, die von der 3. Linie, der „Branchline“ (Nebenlinie) auf vielen Modulen abzweigen.  

Auf Veranstaltungen kann man feststellen, das NTRAK - Anlagen sehr publikumsbezogen sind – nicht nur aufgrund des „Oooh“ - Effekts der teilweise sehr langen Züge, oftmals in Fünf- bis Siebenfach-Traktion. Üblicherweise bilden die Module einen Außenkreis, es gibt aber auch Layouts „an der Wand entlang“. Natürlich gibt es Absperrungen vor den Modulen, die (neu)gierige Finger von Anlagen und Rollmaterial fernhalten. Aber die Bedienung der Züge und das Weichenstellen, An- & Abkuppeln geschieht grundsätzlich von Vorne. Durch die inzwischen übliche Funkfernsteuerung der Züge begleitet jeder Lokführer „seinen“ Zug über die Strecke – wie auch im richtigen Leben ! Dieses System schafft zum Einen eine sehr positive Nähe zwischen Ausstellern und Publikum – schließlich will man sich ja nicht hinter der Anlage verstecken. Allein die Freude eines Kindes, wenn man es ein paar Runden einen Monsterzug mit 5 Loks und 50, 70 Wagen um die Anlage fahren lässt, trägt positiv zum Thema „Nachwuchsförderung“ bei. Auch mit Erwachsenen lässt sich viel besser über Dies und Das diskutieren, wenn man sich nicht gegenseitig über die Anlage hinweg anschreien muss. Des weiteren hat der Lokführer natürlich ein waches Auge auf Grabscher, Fummler und Schlimmere und kann auch bei Entgleisungen oder Zugtrennungen viel schneller reagieren. Der Einstandspreis einer solchen Fernsteuerung ist nicht viel höher als bei einem hochwertigen Fahrgerät, welches die Ströme von teilweise mehr als 10 (!) Lokomotiven auf einem Gleis verkraften kann.  

Weltweit gibt es fast 100 NTRAK – Clubs mit mehreren tausend Modulen. In ganz Nordamerika, Japan, Südafrika sowie in Großbritannien, Schweden, der Schweiz und jetzt auch in Deutschland und Österreich wird nach ein und demselben Standard gebaut – und jedes dieser Module passt weltweit an ein anderes ! Die Kameradschaft innerhalb dieser Vereine ist so groß, das jedermann mit einem NTRAK - Modul – egal ob Clubmitglied oder Einzelperson – sich weltweit bei einer Veranstaltung mit seinem Modul einklinken kann und jederzeit willkommen ist.


  Ein bisschen Psychologie ....

1.

Sind wir ehrlich: Wenn man viel Zeit und Geld in eine Modellbahnanlage gesteckt hat und ein kleines Wunderwerk geschaffen hat, möchte man dies auch Anderen zeigen und sich in der Anerkennung sonnen. Dies ist ganz natürlich und man muss sich deswegen nicht schämen. Das Problem ist aber: Bei stationären Anlagen im eigenen Keller muss man sich zumeist auf seinen Freundeskreis als Besucher und Bewunderer beschränken - wer lädt schon gerne wildfremde Menschen zu sich ein oder öffnet gar sein Haus für die Öffentlichkeit ??? Hier bieten NTRAK - Veranstaltungen und der Modulbau ganz tolle Möglichkeiten für den Modellbahner, seine Arbeiten zu präsentieren!

2.

Das Publikum auf einer Modellbahnausstellung zeigt ein ganz bestimmtes Verhalten. Man hat bei früheren Veranstaltungen festgestellt, das die ersten Anlagen und/oder Einzelmodule noch lange und ausgiebig betrachtet werden, die weiteren Teile werden jedoch immer schneller beäugt - WENN sich nichts bewegt !!  Aus diesem Grund werden bei öffentlichen NTRAK - Veranstaltungen das vordere ( "Red Line" ) und meist auch das mittlere ( "Yellow Line" ) Gleis für dauernd laufende Züge verwendet. Es ist schon ein toller Anblick, wenn lange Monsterzüge mit 4, 5 Loks Ihre Kreise ziehen, im Publikum Väter ihren Kindern Details auf einem Modul zeigen und Mütter über das "Kind im Manne" lächelnd den Kopf schütteln ....


Was kostet NTRAK ??

Soviel wie jede andere Eisenbahnanlage - nämlich soviel man will oder nicht will !! NTRAK ist ein Standard, keine kommerzielle Organisation. Von NTRAK werden einheitliche Modulmaße & Elektrikverbindungen vorgegeben, aber keine Materialien verkauft oder erzwungen. Die Modulspezifikationen kann der Modellbauer kostenlos auf dieser Website beziehen. Ob er sein Holz im Baumarkt oder seine Verbindungsstecker in der Apotheke holt, ist jedem selbst überlassen. In den von NTRAK vertriebenen Büchern stehen Vorschläge für Module, Modellbautipps u.v.m. - ob der Bastler dies aber kauft, ist ihm überlassen.


NTRAK zuhause

Nun fragt man sich natürlich: Stehen meine NTRAK-Module die ganze Zeit zuhause herum, wenn nicht gerade eine Veranstaltung stattfindet ? Die Antwort ist NEIN ! 1. reichen 2 weitere kleine Moduleinheiten mit Gleisschleifen, um aus dem Modul eine Kreisanlage oder mehr zu machen. Mit dem Bau und Einfügen weiterer Module wächst diese Anlage immer weiter. Der angenehme Nebeneffekt ist die Möglichkeit, die Module auf mechanische und elektrische Passung & Funktion zu testen, BEVOR man dies auf einer Veranstaltung macht - sofern die äusseren Schleifenmodule NTRAK-Standardanschlüsse aufweisen. 2. kann man NTRAK-Module problemlos an eine vorhandene stationäre Heimanlage anschliessen. Mit einem Schleifenmodul lässt sich so die Heimanlage leicht erweitern.


NTRAK digital

Paralleles Digitales und Analoges Fahren ist auf NTRAK-Modulen problemlos möglich und wird in vielen Clubs auch durchgeführt. Aufgrund der strikten elektrischen Trennung der Gleise ist es sehr einfach, z.B. auf der Red Line analoge und auf der Yellow Line digitale Züge zu fahren.

Wenn die Modulanlage gross genug ist, kann auch das Rangiergleis ( die "Blue Line" ) in 2 elektrisch getrennte Bereiche getrennt werden - einfach Stecker ziehen und Modul-Verbindungsgleis entfernen oder isolieren. Die Wagenübergabe zwischen diesen Bereichen kann - wie beim Vorbild - durch Züge auf der 2. Hauptlinie, der "Yellow Line" erfolgen.